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Der Centenaire in Deutschland

Annonce de la mobilisation générale devant le château royal de Berlin, 1er août 1914.
© BPK - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte
Image locale (image propre et limitée à l'article, invisible en médiathèque)

Auf dieser Seite des Rheins bewirkt der Erste Weltkrieg nicht die gleiche Resonanz wie in Frankreich, und es mag a priori schwierig erscheinen, Spuren von diesem Krieg zu finden. Wenn auch der Zweite Weltkrieg, der Deutschland in den menschlichen, wirtschaftlichen und moralischen Ruin führte, tiefe Narben auf deutschem Boden hinterließ, so wurde das Staatsgebiet der jetzigen Bundesrepublik von den Kämpfen zwischen 1914 und 1918 überhaupt nicht berührt. Trotz alledem ist in Deutschland über ein Jahr vor Beginn des Centenaire-Gedenkjahres die Erinnerung an den Konflikt erwacht. In den 16 Bundesländern wurden bereits rund 80 Projekte gestartet, und ein Dutzend ist noch in Vorbereitung. Die Vorbereitung auf den Centenaire ist in unserem historisch dezentralisierten Land am Weitesten offenbar auf Regionalebene vorangeschritten.

Eine starke Mobilisierung der Länder

Auf Lokalebene

Die Länder sind das Abbild einer Lokalgeschichte, in der die Tradition der Selbständigkeit überall anzutreffen ist. Trotz der langen und ereignisreichen gesamtdeutschen Geschichte (Jubiläen und Jahrestagen wird ein hoher Stellenwert beigemessen) erforschen und analysieren die Regionen gern minutiös ihre eigene Vergangenheit. Es überrascht daher nicht, dass sich über die Hälfte der Projekte zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges auf regionale Ereignisse konzentrieren, auf der Ebene einer Stadt, einer bestimmten Region oder eines Bundeslandes. Im stark industrialisierten Nordrhein-Westfalen beispielsweise startet der Landschaftsverband Rheinland (Verband der Kulturvereine des Bundeslandes) in diesem Jahr das Projekt Europa, eine Reihe von Veranstaltungen an denen elf Museen und kulturelle Einrichtungen teilnehmen, mit dem hauptsächlichen Ziel, das Rheinland als bedeutendes europäisches Industriezentrum vor dem Kriegsausbruch darzustellen. In einer bescheideneren Dimension planen die Kurorte Wiesbaden und Bad Wildungen Ausstellungen über ihre Städte zu Zeiten des Konflikts, die sich in ein Großprojekt der hessischen Museen über Kurorte im Krieg einfügen (Der Kurort im Krieg).

Von der Lokal- zur Bundesebene

Eine gewisse Anzahl von Projekten geht über die Regionale Ebene hinaus und befasst sich mit allgemeineren Themen.

Manchmal zieht eine lokale Thematik auch Besucher aus der weiteren Umgebung an. So behandelt zum Beispiel die Klassik Stiftung Weimar mit dem Krieg der Geister ein weitreichenderes Thema: „Die Stadt Weimar, Symbol der deutschen Kultur vor und während des Ersten Weltkrieges“.

Weitere übergreifende Projekte stützen sich auf die spezifischen Eigenheiten der kulturellen Einrichtungen, wie das Erdölmuseum Wietze (Niedersachsen) mit einer Ausstellung zum Thema Erdöl im Ersten Weltkrieg. In einer umfassenderen Perspektive veranstaltet das Deutsche Historische Museum Berlin von Juni bis Oktober 1914 eine große Ausstellung mit dem Titel Krieg der Imperien – der Erste Weltkrieg 1914-1918.

Bildung und Pädagogik sind integraler Bestandteil der Projekte. Es wäre zwar verfrüht, eine Übersicht über alle schulischen Projekte geben zu wollen, aber eines ist sicher: Das Lehrpersonal ist mobilisiert. So hat zum Beispiel eine Konferenz des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes) in Hannover im Februar 2014 den Geschichtsunterricht über den Ersten Weltkrieg zum Thema, wobei insbesondere die Stellung desselben in den Lehrplänen in Frankreich und in Deutschland angesprochen wird.

Eine internationale Dimension

In einer Linie mit dieser Logik der thematischen Erweiterung liegen mehrere Projekte, die auf die binationale bzw. internationale Zusammenarbeit setzen. Sie vereinen andere Länder auf verschiedenen Grundlagen.

  • Städtepartnerschaft oder lokale Eigenheit: Die Stadt Hohenlockstedt (Schleswig-Holstein) plant eine Ausstellung über die Ausbildung durch finnische Jäger in diesem Ort ab 1915. Diese Ausstellung wird auch in der finnischen Partnerstadt Lapua gezeigt.
  • Universitäts- oder Kulturpartnerschaft: Das Französische Historische Institut in Deutschland IFHA (Institut Français d’Histoire en Allemagne) in Frankfurt am Main plant für 2014 einen Studientag im Anschluss an eine Ausstellung im Historischen Museum über Soldaten aus den Kolonien im Ersten Weltkrieg.

Projekte, die zum Verständnis beitragen und aus denen man Lehren ziehen kann

Dieser Überblick zeigt eine staatsbürgerliche Dimension der Projekte auf, die ganz in dem Sinne liegt, in dem heute in Deutschland Geschichte gelehrt und weitergegeben wird. Viele Stimmen rufen dazu auf, sich Fragen über die Ursachen, Auswirkungen und Konsequenzen des Krieges zu stellen, um daraus Lehren für die Gegenwart und die Zukunft zu ziehen. Mit einer Ausstellung von Farbfotografien aus der Vorkriegszeit 1914 – Welt in Farbe – Farbfotografie vor dem Krieg versucht das Regionalmuseum Bonn Parallelen zwischen dem Farbfoto als Mittel zur Kommunikation im Dienste des gegenseitigen Verständnisses der Völker und dem „Krieg der Bilder“, der anschließend ausbrechen sollte, zu ziehen. Mit chronologisch anderer Ausrichtung bereitet das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg eine Ausstellung vor, die untersuchen soll, inwieweit der Erste Weltkrieg den Weg für den Zweiten Weltkrieg bereitet.

Ungleiche Investitionen

Abschließend ist anzumerken, dass die Höhe der Investitionen der einzelnen Bundesländer starke Unterschiede aufweist. Dieser Kontrast erklärt sich aus ihrer Heterogenität, aus ihrer unterschiedlichen Größe und der unterschiedlichen territorialen Beteiligung an den Kriegsereignissen. So haben zum Beispiel die Stadtstaaten Bremen und Hamburg noch keine weiteren Pläne, aber Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, deren industrielles Profil vom Ersten Weltkrieg geprägt war, sind weitaus aktiver, mit jeweils 19 bzw. 11 Projekten. Dazu kommt der Sonderfall Berlin. Die Hauptstadt, die schon immer kulturell sehr engagiert war, hat bereits 16 Projekte begonnen; elf davon werden von den Staatlichen Museen zu Berlin koordiniert und geleitet.

Das Engagement der Bundesregierung

Im Gegensatz zu den Ländern scheint das Engagement der Bundesregierung momentan begrenzter. In einer Föderation, in der die Bundesländer über eine weitreichende Selbständigkeit verfügen, ist der Handlungsspielraum des Bundes besonders eingeengt. Zudem ist die Bundesrepublik nicht rund um große Tage der nationalen Sammlung strukturiert. Von den eher wenigen Terminen in ihrem Gedenkkalender datiert keiner von vor 1945, und der deutsche Nationalfeiertag Tag der Einheit ist der Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Das Fehlen eines Jubiläums mit Bezug auf den Ersten Weltkrieg macht die Aufgabe mit Sicherheit nicht leichter.

Das Kanzleramt hat noch keine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem 100. Jahrestag beschäftigt. Das Auswärtige Amt hat jedoch einen Ansprechpartner beauftragt, den stellvertretenden Abteilungsgleiter für Kultur und Kommunikation Andreas Meitzner, zweifelsohne ein erstes Anzeichen dafür, dass man sich der grenzüberschreitenden Tragweite dieses Jahrestages bewusst ist.