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Frankreich > Tourismus Nord-Pas de Calais

Tourismus Nord-Pas de Calais

Image locale (image propre et limitée à l'article, invisible en médiathèque)
Vue du Fort de Leveau
© Samuel Dhote / CRT NPdC

Im August 1914 findet sich die Region Nord-Pas de Calais inmitten der ersten Kämpfe des Krieges wieder und bleibt bis November 1918 im Zentrum der Auseinandersetzungen. Hier gräbt sich gegenüber von den deutschen Linien ein großer Teil der Truppen Großbritanniens und seines Kolonialempires ein. Die Gegenwart der Kriegsparteien und ihre Waffengänge haben ein vielfältiges und größtenteils unbekanntes Erbe hinterlassen: Militärfriedhöfe, Denk- und Mahnmäler, Ruinen sind die ergreifenden und stummen Zeugen dieser Epoche. Mit der Einladung zur Besichtigung dieser Orte hilft das Netz an Gedenkstätten „Chemins de mémoire“ des Ersten Weltkrieges in der Region Nord-Pas de Calais dabei, diese wichtigen Seiten der europäischen und weltweiten Geschichte zu verstehen und den Männern und Frauen die letzte Ehre zu erweisen, die manchmal von der anderen Seite der Erdkugel kamen, in der Region gefallen sind und seither dort ruhen.

Die Front

Ende 1914 schwindet die Hoffnung auf einen baldigen Sieg in beiden Lagern. Die Front, die von der belgischen Küste bis in die Vogesen verläuft, erstreckt sich im Nord-Pas de Calais wie ein immenser Schnitt zwischen Flandern und der Picardie.

Die Vielfalt der auf den zahlreichen Militärfriedhöfen vertretenen Nationen zeigt uns heute, wie weit dieser Weltkrieg tatsächlich ein weltweiter Konflikt war.

So finden sich etwa im Umkreis von 20 km um Lille die australische Gedenkstätte von Fromelles und die indische Gedenkstätte von Neuve-Chapelle, die Seite an Seite mit dem portugiesischen Militärfriedhof von Richebourg liegt.

Zwischen Lens und Arras, in den Hügeln des Artois, befinden sich zahlreiche Gedenkstätten, die den in dem Gebiet während der Offensiven von Mai und September 1915 gefallenen Männern der französischen Armee die letzte Ehre erweisen. So ist der Nationale Soldatenfriedhof von Notre-Dame-de-Lorette in Ablain-Saint-Nazaire mit 20.000 Gräbern, zu denen 22.000 weitere, in Massengräbern bestattete Soldaten kommen, der größte französische Militärfriedhof. Nicht weit davon entfernt, in Neuville-Saint-Vaast, wurde nach dem Krieg der deutsche Soldatenfriedhof von Maison-Blanche eigerichtet, das größte Gräberfeld in Frankeich, auf dem die sterblichen Überreste von über 44.800 auf den Schlachtfeldern der Region gefallenen Männern ruhen.

In Vorbereitung der Schlacht von Arras, die als Ablenkungsmanöver für die am Chemin des Dames vorgesehene französische Offensive dienen sollte, legte die britische Armee ein weites Netz an unterirdischen Stellungen an, von denen ein Teil heute öffentlich zugänglich ist: die Carrière Wellington. Am 9. April 1917 beginnt die Erstürmung der deutschen Stellungen. Im Norden gelingt es den Kanadiern, den Vimy-Rücken einzunehmen, ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte dieser Nation. Auf dem Gipfel dieser Höhe steht eines der beeindruckendsten Denkmäler des Ersten Weltkrieges: Das historische kanadische Nationaldenkmal von Vimy. Nicht weit davon entfernt befinden sich auch das Neufundland-Denkmal von Monchy-le-Preux und die australische Gedenkstätte von Bullecourt, weitere Zeugen dieser britischen Offensive bei Arras.

Am 20. November 1917 zieht das britische Militär zum ersten Mal eine Armee von 476 Panzern für die Offensive von Cambrai zusammen. Die Gedenkstätte der Schlacht von Cambrai in Louverval erinnert an dieses neue Kapitel der Militärtechnik.

Die Invasion, die erste deutsche Besatzung und die Befreiung der besetzten Gebiete

Ende August 1914 kommt der Vormarsch der deutschen Armee nach der Durchquerung Belgiens in Richtung Paris am Festungsring von Maubeuge ins Stocken, der im Rahmen der Organisation Séré de Rivières errichtet worden war. Die Belagerung dauert 10 Tage, während derer die Forts und Vorwerke, darunter das Fort de Leveau, das man heute besichtigen kann, unter schwerem deutschem Artilleriebeschuss liegen. Die offizielle Kapitulation der Festung erfolgt am 8. September 1914.

Nach dem Scheitern der ersten Schlacht an der Marne und dem „Wettlauf zum Meer“ fährt sich die Front fest und die Armeen graben sich ein. Der Bewegungskrieg wird zum Stellungskrieg.

Die deutsche Armee besetzt die eroberten Gebiete, zu denen der Großraum Lille, der größte Teil des Bergbaureviers Nord-Pas de Calais und der südliche Teil des Departements Nord gehören. Die Bevölkerung entgegnet dem neuen Militärregime mit Widerstand, der jedoch eine schwere Unterdrückung erfährt. Die Mauer der Erschossenen von Lille erinnert an die Exekution der führenden Mitglieder des Widerstandsnetzes Jacquet vom 22. September 1915 sowie die Hinrichtung des jungen Léon Trulin einige Wochen später.

Im Jahr 1918 wird der Stellungskrieg wieder vom Bewegungskrieg abgelöst. Nach den deutschen Frühjahrsoffensiven starten die alliierten Armeen unter dem Oberkommando von Marschall Foch im August eine weite Offensive, die die deutschen Verteidigungslinien durchbricht. Der 4. November ist seitdem ein bedeutender Gedenktag: Am Fuß der neuseeländischen Gedenkstätte von Quesnoy feiern die Einwohner die Truppen mit dem Farnwedel auf dem Emblem als ihre Befreier, während auf dem Dorffriedhof in Ors nahe bei Chateau-Cambrésis dem Werk des Kriegspoeten Wilfred Owen gedacht wird, der an diesem 4. November 1918 fiel.

Die Küste, Logistikbasis für die alliierten Armeen

1916 richtet die britische Imperiale Armee ihr oberstes Hauptquartier in Montreuil-sur-Mer ein, das daraufhin zum Zentrum eines immensen Logistikbereichs wird, der die gesamte Etappe an der Küste des Ärmelkanals einnimmt.

Über die Häfen an dieser Küste wie Calais und Boulogne-sur-Mer wird der Transport von Nachschub und Truppen aus dem gesamten britischen Empire abgewickelt. Nach den Übungen auf dem weiten Gelände des Camps von Étaples werden die Soldaten in die einzelnen Frontbereiche unter britischer Kontrolle abkommandiert: Flandern, Artois und die Somme.

Die logistischen Aufgaben werden den Labour Corps anvertraut, Einheiten von freiwilligen Arbeitern, in denen Ägypter, Inder, Südafrikaner und Chinesen dienen, von denen einige ihre letzte Ruhestätte in der Militärabteilung des Friedhofs von Saint-Étienne-au-Mont südlich von Boulogne gefunden haben.

Als größter Friedhof des Commonwealth in Frankreich erinnert der Militärfriedhof von Étaples an die zahlreichen, entlang der Küste zur Pflege der verletzten Frontsoldaten aufgebauten Lazarette. Die Männer, die dort ihren Verletzungen erliegen, werden auf den nahen Friedhöfen begraben, wie der kanadische Dichter John McCrae, Verfasser des berühmten Gedichts Flanders Fields (Auf den Schlachtfeldern Flanderns), in Wimereux.

Der Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete

Der Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Städte erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern und Baufachleuten. In Arras werden die Häuser an den Plätzen der Stadt wieder mit ihren Vorkriegsfassaden aufgebaut, Rathaus und Glockenturm original restauriert, um das reiche Kulturerbe der Stadt zu bewahren.

In Flandern werden Städte wie Bailleul und Armentières unter dem Einfluss des Architekten Louis-Marie Cordonnier im historischen regionalen Baustil wiederaufgebaut. Nach dem Vorbild von Cambrai oder Lens entscheiden sich andere Kommunen mit dem Art-Déco-Stil für die Moderne. Wie die Fassaden der Grand’ Place von Béthune zeigen, wurden hier hingegen Regionalstil und Art Déco vereint.